DJ Arnie, Schepper Karl und Hornets-Lautsprecher

  • Herzlichen Dank an Thorsten Kruppka, Patrick Rother, Holger Weishaupt und Ebbo Schauer für ihre wertvolle Unterstützung und Zuarbeit bei der Rekonstruktion von Achims Lebensweg.
  • Foto:
    Achim Korn a.k.a. „DJ Arnie“ im Jahre 1996 im Vorfeld eines Spiels der Hanau Hawks
    (Archivfoto, mit AI coloriert)

Achim Korn war kein Freund der leisen Töne.

Als Pressesprecher des ASC Hanau e.V. ließ er in seinen Spielberichten gerne Runningbacks durch die Abwehrreihen des Gegners donnern oder die gegnerischen Angriffsspieler durch die Hornets-Defense unter die Grasnarbe planieren. Er prägte den Begriff der Hornets als „Hanauer Footballhornissen“, deren „Jumbo-Hornisse“ (mit einem Gardemaß von weit über zwei Metern und einem Kampfgewicht jenseits der 150 Kilogramm) natürlich er war. Gepflegten Trash-Talk erhob er zu einer Kunstform (wir erinnern uns an seine vollmundigen Kampfansagen bei den Derbys gegen die Rhein-Main Rockets), und er ließ es sich auch nicht nehmen, Coaches und anderen Vereinsverantwortlichen Statements in den Mund zu legen, wenn ihm deren eigene Kommentare zu zahm erschienen.

Jetzt hat Achim den Stift, mit dem er von der Tribüne des Herbert-Dröse-Stadions seine Beobachtungen vom Spielgeschehen unten auf dem Rasen penibel in seinem Notizblock festhielt, für immer beiseitegelegt.
Am Mittwoch, dem 25. März erreichte die Hornets die Nachricht, dass Achims langer gesundheitlicher Leidensweg in der vorangegangenen Nacht sein Ende gefunden hatte.

Foto: Achim Korn 2011 beim Heimspiel gegen die Mainz Golden Eagles

Doch Achims Wurzeln im American Football reichen noch viel weiter zurück.
Seine Spuren auf einem Terrain, das über Jahrzehnte ein zentraler Bestandteil seines Lebens werden sollte, hat er bereits hinterlassen, als ein organisierter Spielbetrieb im deutschen American Football noch in den Kinderschuhen steckte.

Als eines der ersten Vorstandsmitglieder des American Football-Verbandes Hessen in den späten 1980ziger Jahren wie auch als Mitbegründer und Vizepräsident der „Offenbach Biber“, mit denen er allerdings nur eine einzige Saison bestritt, gehörte Achim zu den Menschen, die diesen Sport in der Rhein-Main-Region überhaupt erst möglich machten.

Später trug er die Farben der „Neu Isenburg Jets“, bevor er dem Ruf seines „Entdeckers“ T.D.Knox zu den Hanau Hawks folgte.

Achim war Mitorganisator des ersten Arena-Footballspiels auf deutschem Boden, das im Jahr 1993 mehr als fünftausend Zuschauer in die Festhalle in Frankfurt lockte und in dem die „Tampa Bay Storm“ die „Detroit Drive“ mit 45:35 besiegten.

Bei den Hawks erlebte Achim seine sportlich erfolgreichste Zeit, die in den Jahren 1997 und 1998 im Erreichen des PlayOff-Halbfinales um die Deutsche Meisterschaft gipfelte.    
Im selben Jahr gewannen die Hawks darüber hinaus im eigenen Stadion gegen die Graz Giants den Federations-Cup, den Vorgänger des von der „European Federation of American Football“ ausgerichteten EFAF- Cups.

Als die deutsche Football-Nationalmannschaft im Jahre 2001 im Herbert-Dröse-Stadion ihren Europameistertitel und zwei Jahre später den dritten Platz in der Worldcup-Finalrunde feierte, stand Achim ebenfalls mitten im Geschehen:
„Während Achim die Pressearbeit für den Verband übernahm und als DJ für die musikalische Untermalung sorgte, war ich als Stadionsprecher eingesetzt. Wir waren ein eingespieltes Team“, erinnert sich Holger Weishaupt, der auch viele Jahre die Heimspiele der Hornets aus der Sprecherkabine begleitete.

Fotos:  1993 mit Hawks-Headcoach Lawrence Rhone / DJ Arnie 1995 / Pregameshow 1996 (Archivfotos)

Achims Talent als Organisator, Netzwerker und Ideengeber war legendär.
2023 etwa hatte er maßgeblichen Anteil am Zustandekommen der Kooperation mit dem Lokalsender „Radio Hanau“, der Verwandlung der Hanau Hornets in die „Radio Hanau Hornets“ und der Ausrichtung des Derbys gegen die Rhein-Main Rockets als „Radio Hanau Bowl“.

Dabei beschränkten sich seine Aktivitäten nicht nur auf den American Football.
„Im Winter galt seine große Leidenschaft unserem Ski-Club und dem Simmelsberg.
Mit viel Engagement setzte er sich dafür ein, diese Orte bekannter zu machen. Besonders stolz war er auf seine eigene Idee, die schwarze Piste des Simmelsbergs als „Streif von Hessen“ zu bewerben – ein kreativer Einfall, der typisch für ihn war: originell, sportbegeistert und voller Energie,“ gibt Patrick Rother, Vorsitzender des Ski-Clubs Hanau, zu Protokoll.

Als „DJ Arnie“ bereiste Achim viele Jahre Hessen und Deutschland, immer sein Köfferchen mit einer profunden Auswahl an CDs – unerlässliches Handwerkszeug in vordigitalen Zeiten – im Gepäck, sorgte bei zahllosen Apres-Ski-Partys in St. Anton für ausgelassene Stimmung und riss in der Faschingszeit die Gäste der Traditionsgaststätte „Zum Schwanen“ in Oberursel zu Begeisterungsstürmen hin. Selbst für den FC Bayern München war „DJ Arnie“ im Rahmen einer Meisterschaftsfeier schon im Einsatz.

Foto: Mit Thomas „Bäppi“ Bäppler-Wolf vor dem Regionalliga-Heimspiel gegen Frankfurt Universe 2011

Achim versuchte sich auch in der Kleinkunst. Für Frankfurt Universe schlüpfte er in die Rolle des „Klaagärddners“ „De scheppe Karl“, in der er die Anfeindungen des neben der damaligen Universe-Spielstätte im Niddapark  ansässigen Kleingartenvereins humoristisch auf die Schippe nahm und sich schlagartig vom kleinkarierten Spießbürger zum glühenden Footballanhänger wandelte.

Und auch wenn die letzten Jahre ihm gesundheitlich sehr zugesetzt haben, ließ er es nie an Selbstironie fehlen, die ihm wohl als Schild gegen die Schmerzen diente.
„So viel Opiate und Morphine – die Dealer im Bahnhofsviertel würden sich darum reißen,“
lautete ein Bonmot aus seinen letzten Tagen.

So war Achim.

Die Stimme Achims, der sich immer wieder gerne als „Hornets-Lautsprecher“ bezeichnete, ist nun verstummt, doch das Echo seines Wirkens wird noch lange im American Football hierzulande nachhallen – und darüber hinaus.

Achim, wir werden Dich nicht vergessen! 

(von Ilja Peer Tripp)

Beim Auswärtsspiel bei den Albershausen Crusaders 2011

Stimmen zum Tod von Achim Korn:

Machs gut, alter Babbsack!
Viele Schlachten geschlagen – manche gewonnen und manche verloren. Du hast dich aber nie verbiegen lassen und warst Dir immer treu, das findet man heute nur noch selten!
Du wirst immer Teil der Hornets bleiben!
(Lukas Ludewig, Präsidend der Hanau Hornets bis 2025)

Ich kannte Achim seit 1986.
Ein langer Leidensweg geht nun für ihn zu Ende. Mach’s gut, mein alter Freund.
(Andreas Hock, Weggefährte und Mitspieler bei den Neu Isenburg Jets)

R.I.P. Achim Korn. Ich habe immer gerne gelacht mit Dir vorm Spiel, Prognosen abgegeben und mir Deinen Wunsch für das Spiel angehört. Seit 1999 kannte ich Dich, das ist eine lange Zeit!

In einem Spielbericht hast Du mich als „die kubanische Ballerina“ bezeichnet, das hat meine 25 Jahre Football geprägt. Lass es dir gut gehen da oben.
(Victor Limonta Bell, Spieler und Hornets-Urgestein)

In Offenbach hängen die Fahnen heute auf Halbmast – so viel ist sicher, mein Lieber!
Du warst und wirst immer ein Teil der Familie bleiben. Mach´s gut!
(Andy Hornbruch, ehemaliger Hornets-Spieler, einer der Garanten des Aufstiegs in die GFL 2 in der Saison 2009 )

Wir verlieren nicht nur einen engagierten Sportsmann, sondern einen Menschen mit großem Herzen, feinem Humor und der Fähigkeit, Gemeinschaft zu schaffen.
Achim war ein Freund, ein Wegbegleiter – und für viele ein echtes Vorbild.
Ruhe in Frieden, Achim. Du hinterlässt eine Lücke, die niemand füllen kann – aber Spuren, die bleiben.
(Patrick Rother, 1. Vorsitzender des Ski-Club Hanau e.V.)

Ein ganz besonderer Mensch, der Spuren hinterlässt.
Achim war nicht nur ein toller Footballfreund, sondern auch ein Mensch, der mit seiner Herzlichkeit, seinem Engagement und seiner Persönlichkeit viele von uns berührt hat.
Sein Verlust hinterlässt eine Lücke, die nur schwer zu füllen sein wird.
Lasst uns Achim in Erinnerung behalten – mit all den schönen Momenten, die wir mit ihm teilen durften, und der Dankbarkeit, dass er Teil unseres Lebens war.
(Thorsten Kruppka, langjähriger Weggefährte, zuletzt 1. Vorsitzender der Rhein-Main Rockets)

Das ist bitter! Achim Korn hat es im letzten Quarter leider nicht mehr geschafft.
Jahrzehntelang waren wir für die Hanau Hornets tätig – mit ihm geht im wahrsten Sinne des Wortes ein „ganz Großer“.
Vorletzte Woche hatte ich ihn noch in Friedberg besucht, er wollte so gerne noch diese eine Saison erleben.
Alles Gute, Jumbo-Hornisse!
(Holger Weishaupt, u.a. Stadionsprecher der Hanau Hawks, Hanau Hornets, Wiesbaden Phantoms)

Alle Fotos: Blurred Pics / Dagmar und Ilja Peer Tripp
Ausnahme: Archivfotos, Urheberschaft nicht mehr belegbar