Abseits des Rampenlichts

Im Gespräch mit Hornets-Vorstand Noelle Degoutrie

Mit den Begegnungen gegen Frankfurt Universe und den Lokalrivalen Hanau Ravens haben die Hanau Hornets ihre ersten beiden Heimspiele in der diesjährigen Landesliga Mitte mit Bravour absolviert. 1.200 bzw. 831 Zuschauer erlebten im Herbert-Dröse-Stadion zwei mitreißende Spiele, die allerdings nur dank zahlreicher helfender Hände überhaupt stattfinden konnten.

Dabei ist es vor allem Noelle Degoutrie, Abteilungsleiterin der Hornets-Jugend, die im Hintergrund die Fäden in der Hand hält, um einen möglichst reibungslosen organisatorischen Ablauf während der Gamedays sicherzustellen.
Wir haben mit ihr darüber gesprochen, welche Herausforderungen ein Event dieser Größenordnung für einen niederklassigen Verein in einer Randsportart bereithält.

Hallo Noelle, hinter den Hornets liegen nun bereits zwei der insgesamt drei Heimspiele der diesjährigen Saison. Hast Du die Spieltage gut überstanden?

Ehrlich gesagt, jeder Spieltag ist eine Herausforderung, die Dich auch mal an Deine Grenzen bringen kann. Die Planung eines Gamedays beginnt bereits Wochen im Voraus, und trotzdem kann es passieren, dass Sand ins vermeintlich gut geölte Getriebe gerät.
Bis zur letzten Sekunde musst Du flexibel bleiben, und auch während des Spiels ständig an Stellschrauben drehen. Das hält Dich ständig in Atem. Anders ausgedrückt:
Kein Gameday der Seniors ohne Nervenzusammenbruch, Herzinfarkt oder beidem (lacht).

Erzähle uns ein wenig von dem organisatorischen Aufwand, der nötig ist, um einen Spieltag zu stemmen.
Wann starten die Vorbereitungen, und was gehört alles dazu?

Im Grunde machen wir uns die ersten Gedanken schon Monate im Voraus.
Sobald der terminliche Rahmen für die kommende Saison seitens des Verbandes steht, müssen konkrete Heimspiel-Termine mit dem Sportamt abgestimmt werden. Für die Saison 2027 habe ich zum Beispiel bereits jetzt eine Stadionnutzung im April und Mai angemeldet.
Die konkrete Spieltagsplanung beginnt ebenfalls bereits ca. sechs Wochen vor dem eigentlichen Termin. Zum Glück konnten wir im Vorjahr einige Erfahrungen sammeln, die uns helfen, in dieser Saison den ein oder anderen Fallstrick zu vermeiden. Wir haben eine umfassende To-Do-Liste erarbeitet, welche Aufgaben vor, während und nach dem Spieltag unbedingt erledigt werden müssen.
Spiele gegen Universe oder die Ravens, bei denen deutlich mehr Zuschauer als üblich zu erwarten sind, erfordern naturgemäß einen deutlich höheren logistischen Aufwand.
Falls an einem Spieltag ein Rahmenprogramm vorgesehen ist, zeichnen dafür übrigens meine Vorstandskollegen Atif und Jishnu verantwortlich.
Natürlich hat ein solches Event auch eine enorme Fallhöhe. Es kann viel schiefgehen, entsprechend groß ist die Anspannung.

Was bedeutet das für Dich konkret?  

In der Gameweek fallen gut und gerne zwanzig bis fünfundzwanzig zusätzliche Ehrenamtsstunden an. Die Lieferungen durch den Getränkehändler, die Bestellungen beim Bäcker, das rechtzeitige Bereitstellen der Kühltruhen, die Kontrolle der bestehenden Lagerkapazitäten – all dies muss aufeinander abgestimmt und gut koordiniert sein.
Wo sollen die Verkaufsstände platziert werden, damit Warteschlangen sich nicht kreuzen, Wartezeiten verkürzt und Wegeleistungen minimiert werden können ?
Auch das sind Fragen, die im Vorfeld beantwortet werden müssen.

Wer unterstützt Dich bei der Spieltagsplanung und an den Spieltagen selbst?

Zum Glück habe ich Menschen um mich, auf die ich mich absolut verlassen kann, die immer da sind, wenn sie gebraucht werden und mir auch, falls hin und wieder erforderlich, eine Stütze sind. Es ist schön, immer ein offenes Ohr zu finden, wenn ich dann doch mal meinen Frust abladen muss.

Gemeinsam bilden wir ein stabiles Orga-Team mit jetzt über einem Jahr Erfahrung, das so manche Höhen und Tiefen gemeinsam erlebt hat.
Ihr wisst, wer ihr seid! Ich bin überaus dankbar, dass es euch gibt.   

Nimm uns doch bitte mal mit auf einen Gameday aus organisatorischer Sicht.

Bereits der Samstag, also der Tag vor dem Spiel, ist von 8:00 bis 18:00 Uhr verplant.
Das Spielfeld muss inklusive aller Markierungen vorbereitet werden, auch die gesamte Technik wird bereits am Vortag aufgebaut.
Glücklicherweise bin ich hier nicht involviert – um dieses Thema kümmert sich unser Tausendsassa Keanu, der dafür das deutlich größere Know How mitbringt.
Aber auch im Zuge etwa des Caterings sind Vorarbeiten zu leisten – etwa das Abholen der Grills und des Grillgutes, der Backwaren und dergleichen.
Nicht zu vergessen: In der Nacht von Samstag auf Sonntag ist eine Stadionwache erforderlich, damit wir am Spieltag nicht plötzlich ohne Technik dastehen.
Am Sonntag geht es dann in aller Frühe weiter. Die Stände und die Hüpfburg wollen aufgebaut und die Infrastruktur für das Catering eingerichtet werden, bevor dann um 13:30 Uhr der eigentliche Betrieb startet.
Die Kasse am Stadioneingang will besetzt sein. Parkplatz- und Torwache, Hüpfburg- und Feldaufsicht – auch hierfür will neben den naheliegenden Aufgaben wie der Wertmarkenverkauf, der Verkauf von Speisen und Getränken oder die Leergutrücknahme jemand gewonnen werden.
Nach Spielende ist das Tagwerk noch lange nicht getan.
Der Abbau zieht sich oft bis 22:00 Uhr hin, und auch am Montag sind noch Restarbeiten zu erledigen.

Auf wie viele Helfer kannst Du am Spieltag zugreifen, und wie viele Arbeitsstunden leisten diese in etwa ab?

Allein beim Aufbau und den Vorbereitungen am Samstag packen 23 Helfer mit an.
Am Spieltag selbst haben wir alle Tätigkeiten in zweistündige Schichten unterteilt, um allen Helfern die Möglichkeit zu geben, wenigstens Teile des Spiels zu sehen – zumindest in der Theorie. In der Praxis ist es leider so, dass wir nicht genügend Helfer haben, um alle Schichten mit unterschiedlichen Personen zu besetzen, folglich bleibt die Arbeit an einigen wenigen hängen, die teilweise vom morgendlichen Aufbau bis zum Abschließen des Stadions vor Ort sind und einspringen, wo es erforderlich ist.
Alle Schichten zusammengerechnet beträgt der zeitliche Aufwand am Spieltag 200 Stunden, natürlich verteilt auf anspruchsvolle und weniger anspruchsvolle Tätigkeiten.

Sind alle Helfer ehrenamtlich tätig?

Natürlich. Alles andere ließe unser schmales Vereinsbudget gar nicht zu.
Überwiegend rekrutieren sich unsere Helfer aus den Familien der Jugendspieler, ihren Eltern und teilweise auch den Jugendspielern selbst, die viele Stunden im Dienst des Vereins erbringen.
Allerdings würde ich mir wünschen, dass die Bereitschaft unter den Vereinsmitgliedern noch ein wenig größer wäre, ein wenig Freizeit für den Sport, der ihnen oder ihren Kindern eine Heimat gibt, zu opfern. Zu viel Arbeit verteilt sich auf zu wenige Schultern.
Je mehr Helfer mit anpacken, desto geringer ist die Arbeitsbelastung für den Einzelnen.
Und noch ein Gedanke dazu:
Wir finden für jedes Kind eine Position, unabhängig von seiner körperlichen Statur. Das macht American Football so einzigartig. Die Kinder sind glücklich, eine Sportart für sich gefunden zu haben, in der sie Anerkennung und Selbstbestätigung finden, auch wenn sie vielleicht nicht dem „Gardemaß“ entsprechen. Umso mehr würde ich mir wünschen,
dass der ein oder andere sich noch stärker in den Verein einbringt.
Mein großes Ziel ist es, die zu entlasten, die immer da und sich für keine Arbeit zu schade sind.

Woher kommt Deine eigene Motivation?

Ich organisiere gerne und ich habe einen Blick für Optimierungspotential.
Bei aller Belastung macht diese Aufgabe mir einfach Spaß.
Und ich habe erlebt, wie herzlich mein Sohn in den Verein aufgenommen wurde und wie wohl er sich bei den Hornets fühlt.
Dafür möchte ich dem Verein gerne etwas zurückgeben.

Noelle, vielen lieben Dank für diesen Blick „hinter die Kulissen“.

Alle Fotos:  Mit freundlicher Genehmigung von Blurred Pics
„Noelle die Magierin“ erstellt mit Hilfe von chatgpt image 2.0