Ernest Dorsey, Head Coach der Hanau Ravens, hatte keineswegs übertrieben, als er vor wenigen Tagen im Interview mit dem Hanauer Anzeiger im Hinblick auf das Stadtderby gegen die Hanau Hornets von einem „sehr schweren Spiel für beide Seiten“ sprach.
Tatsächlich konnte sich der Tabellenführer im Aufeinandertreffen der beiden Topteams der Liga nur mit viel Mühe mit 17:14 gegen den Zweitplatzierten durchsetzen.
Verdienter Lohn: Dank dieses Sieges, der die Bilanz der Hornets in der laufenden Saison auf 5:0 stellt, haben Hanaus Footballhornissen die Meisterschaft in der Landesliga Mitte vorzeitig unter Dach und Fach gebracht.
Doch der Reihe nach:
Die Ravens, die ihr Heimspiel wie bereits in der vergangenen Saison ins Herbert-Dröse-Stadion verlegt hatten, hatten diesen Spieltag unter das Motto „Pink Gameday“ gestellt, um damit „Pink Ribbon Deutschland“ zu unterstützen, eine Organisation, die für mehr Aufmerksamkeit rund um Brustkrebs und Früherkennung wirbt. Entsprechend dominierten die rosafarbenen „Football For Charity“-T-Shirts die gut gefüllten Zuschauerränge der Haupttribüne.
Schon das erste Quarter zeigte überdeutlich, dass heute die beiden Defensereihen den Spielverlauf bestimmen würden.
Zunächst stoppte Ian Gutermann den Kick-Off Return der Gastgeber, dann setzten Alexander Höhl und Semyon Hochapfel dem Vorwärtsdrang der Ravens ein schnelles Ende.
Nachdem auch Alexander Lerch einem gegnerischen Runningback im Weg stand und Robert Reinke Cedric Dorsey mit einem Quarterback-Sack zu Boden brachte, mussten die Ravens aus der eigenen Red Zone punten, doch eine Flagge – „Roughing the kicker“ – bescherte ihnen dann doch das ersehnte First Down.
Dank der hellwachen Hornets-Defense sollte es aber auch jetzt keinen Raumgewinn für den Lokalrivalen geben – beim erneuten Punt wurde es allerdings kurios:
Wieder geriet der Punt sehr hoch, aber kurz. Doch der Spielball erreichte nicht den Boden, sondern prallte wie von einem Katapult abgefeuert vom Bein eines Hornets-Spielers am verdutzten Punter vorbei Richtung Endzone zurück, wo er gerade noch von einem Spieler im lilafarbenen Jersey gesichert werden konnte.
Wieder blieben die Ravens in Ballbesitz und setzten ihren Drive fort, der aber nach dem beherzten Eingreifen von Semyon Hochapfel und Jason Reimer sowie einem Quarterback-Sack von André Jones schnell wieder endete.
„Der dritte Punt im selben Drive“, staunte Jan Pangritz, der seit vielen Jahren den Liveticker der Hanau Hornets mit ebenso versierten wie launigen Spielkommentaren füttert, „das habe ich so auch noch nicht gesehen!“
Das zweite Quarter brachte schließlich auch Punkte aufs Scoreboard.
Zunächst legte Cedric Dorsey mit einem Pass über zwanzig yards vor, der vom Receiver unbedrängt zum 6:0 in die Endzone getragen wurde. Der PAT allerdings ging fehl.
Hatte der Angriffsmotor der Gäste anfänglich noch sichtlich gestottert, lief es jetzt auch für die Hornissen besser: Mit einer Kombination aus Pass- und Laufspiel stellte die Hornets-Offense die gegnerische Defense mehr und mehr vor Probleme.
Mal übergab QB Ferdinand Stark das Ei an seine (nicht mehr ganz so geheimen) Geheimwaffen Nico Walch und Nicola Cucuzzella, dann wieder zirkelte er Pässe auf Tim Hochapfel und Maxim Frey.
Yard um Yard arbeiten sich die Hornets nach vorn, bis Cucuzzella mit einem 30yard-Lauf die Endzone der Ravens enterte. Nachdem auch Tim Marburger den Point-after-Touchdown sicher verwandelt hatte, lagen nun die Gäste hauchdünn mit 6:7 vorn – eine Führung, die sie aufgrund eines folgenschweren Patzers der Ravens noch vor dem Pausentee ausbauen konnten:
Noch in der eigenen Spielhälfte, das nächste First Down jedoch in Sichtweite, entschied sich Dorsey, den vierten Versuch auszuspielen, doch sein weiter Pass fand keinen Abnehmer, so dass die Hornets an der gegnerischen 24yard-Line noch einmal in Ballbesitz kamen.
Diese Einladung nahm Nico Walch gerne an, machte mit zwei kurzen Läufen zunächst Boden gut und stürmte schliesslich über 19yard in die Endzone.
Der erfolgreiche PAT durch Marburger erhöhte die Hornets-Führung zur Halbzeit auf 6:14.
Wie das erste blieb auch das dritte Quarter in einer spannenden, aber von den beiden Defensereihen dominierten Partie ohne weiteren Punktgewinn.
Auf Seiten der Hornets sorgten inbesondere Melvin Hettrich, Steven Attipoe und immer wieder André Jones dafür, dass es für die Ravens kein Vorwärtskommen gab, zudem trugen sich Jason Reimer und André Jones mit jeweils einer Interception in die Spielstatistik ein.
„Besonderes Lob gebührt in diesem Spiel der gesamten D-Line, die heute einen herausragenden Job gemacht hat“, hob Hornets-Headcoach Andy McMillan im Abschluss-Huddle den Anteil der Defense am Erfolg besonders hervor. „In diesem engen Spiel waren sie mit ihrem Einsatzwillen und ihrer Umsicht das Zünglein an der Waage.“
Die Ravens machten es nicht weniger gut und verhinderten beherzt jede weitere Annäherung des Lokalrivalen an die eigene Endzone.
Im vierten Quarter erreichte die Spannung schließlich ihren Höhepunkt.
Die Hornets hatten sich durch Cucuzzella und Frey nach vorne gekämpft, mussten im vierten Versuch aber noch sechs yards überbrücken. Nun waren Marc Spöckinger und seine Fähigkeiten als Kicker gefragt.
Spöckinger nahm Maß und setzte das Ei zielgenau zum 6:17 zwischen die Stangen – es war, wie sich nur wenig später zeigen sollte, das Fieldgoal zum Sieg.
Denn die Ravens steckten nicht auf.
Die Two-Minute-Warning war bereits ausgerufen, doch mit einer Serie von Pässen rückten die Gastgeber unerbittlich weiter nach vorn, bis ein letzter Pass seinen Adressaten in der Endzone der Hornets fand.
Nun gingen die Ravens aufs Ganze:
Nachdem auch die Two-Point-Conversion zum 14:17 gelungen war, versuchten sie sich an einem Onsite-Kick, doch dieser trudelte wirkungslos ins Aus.
Die Hornets durften abknien und den denkbar knappen Sieg gegen einen Gegner auf Augenhöhe feiern.
„Das Fieldgoal von Marc hat uns letztlich den Sieg gebracht“, fasste Mc Millan den Spielverlauf treffend zusammen.
„So eng war es in den gesamten zwei Jahren seit meinem Amtsantritt nicht.
Aber allen Spielern, die in dieser Saison zum ersten Mal das Hornets-Jersey getragen haben, sei gesagt:
Für euch mag das Siegen fast selbstverständlich sein, aber diejenigen, die schon länger dabei sind, wissen, wie es noch vor zwei Jahren um die Hornets bestellt war. Nach dem Zwangsabstieg 2024 hat sich der Verein mit neuem Vorstand und neuer Coachingcrew gewissermaßen runderneuert und seitdem kein Spiel mehr verloren – dank euch allen.
Ihr könnt alle sehr stolz auf euch sein!“
In zwei Wochen klingt die diesjährige Footballsaison für die Hornets auch schon wieder aus.
Gegner im Heimspiel am 13. September werden die Hadamar Black Goats sein.
KickOff im Herbert-Dröse-Stadion ist wie gewohnt um 15:30 Uhr.
Spielbericht von I.P.Tripp
Fotos mit freundlicher Genehmigung von Blurred Pics