Titans eine Nummer zu groß

Zum Saisonauftakt vor 400 Zuschauern erwiesen sich die Titanen aus Kassel erwartungsgemäß als eine Nummer zu groß für Hanaus Hornissenschwarm und wurden ihrer Favoritenrolle in der Oberliga Mitte mehr als gerecht:
Mit einem überlegenen 20:75-Sieg im Gepäck konnten die Gäste am Ende die Rückreise nach Nordhessen antreten.

Dabei deutet im ersten Quarter noch Vieles auf einen Überraschungscoup der Hornets hin: Zwar eröffnet Kassel den Punktereigen mit einem bemerkenswerten Fieldgoal über 47 Yards, aber in ihrem zweiten Drive sind die Hornets im Spiel angekommen.
Nach einem schönen Lauf von Tettey Awah zirkelt Quarterback Timo Bieber den Ball auf Christian Klein, der fast unbedrängt in die Endzone sprintet.
Der Versuch einer 2-Point-Conversion misslingt, aber die Hornets gehen mit 6:3 in Führung!

Die Antwort der Titans lässt nicht lange auf sich warten:
Ein sehenswerter Pass in die Endzone mit anschliessender 2-Point-Conversion, und Kassel hat die Nase wieder vorne.
Während die Hornets nicht nachlegen können, schocken die Titans die Hausherren mit einem 92-yard-TD-Lauf samt Extrapunkt und erhöhen auf 6:18.

Das will sich der Hornissenschwarm nicht bieten lassen:
Marco Giesel, der in seinem letzten Spiel im Hornets-Trikot noch einmal seine Durchschlagskraft beweist, und Awah bringen den Ball bis kurz vor die Endzone, Bieber vollendet per Quarterback-Sneak. Auch die Conversion gelingt, Awah bringt weitere 2 Punkte aufs Scorebord und verkürzt auf 14:18.

Die Titanen machen nun Ernst:
Während Hanau vor der Halbzeit nicht mehr punkten kann, ist Kassel in seinen beiden nächsten Drives erfolgreich, was die Halbzeit-Führung der Gäste auf komfortable 14:32 schraubt.

Nach der Pause ist Kassel wieder im Angriff, den Victor Limonta-Bell zunächst an der 17-yard-Line zum Stehen bringen kann. Die Hornissen verteidigen ihre Endzone mit Mann und Maus, können aber weitere Touchdowns der Titans nicht verhindern.

Hanau hat erkennbar den Faden verloren – zwar stemmt sich die Mannschaft gegen die drohende Niederlage, doch gegen einen routinierten und abgeklärten Gegner geraten die Hornets mehr und mehr ins Hintertreffen.

Der nächste Hanauer Angriff endet in einer Interception. Kassel retourniert den Ball bis kurz vor die Endzone, und nach Touchdown und gelungener 2-Point-Konversion beträgt der Spielstand 14:54.

Trotz dieses wenig ermutigenden Zwischenstandes haben die Hornissen sich noch nicht aufgegeben und stechen noch einmal zu:
Ein fulminanter Return von Giesel bis zur Kasseler 29-yard-Line, ein Pass auf Awah an die 3-yard-Line und schliesslich ein Pass auf Lars Klapper zum Touchdown verkürzen den Rückstand auf 20:54. Der Versuch einer 2-Point-Conversion scheitert allerdings.

Bis zum Spielende kann Kassel noch drei Mal punkten, während es den Gastgebern nicht mehr gelingt, Zählbares auf das Scorebord zu bringen.
Der Endstand lautet schliesslich 20:75.

Headcoach Rick Holland liest den Spielern im Huddle nach dem Spiel gehörig die Leviten:
„Dieses Team hat ein unglaubliches Potential. Es ist vielleicht das beste Team, das ich jemals trainiert habe – aber es ruft sein Potential nicht ab.
Wir müssen hart an uns arbeiten, nicht nur im Training, sondern an jedem verdammten Tag, und den Spirit entwickeln, denn man als Sieger braucht.“

Quarterback Timo Bieber zeigt sich nach dem Spiel selbstkritisch:
„Wir konnten mental nicht damit umgehen, dass Kassel in buchstäblich jedem Drive gepunktet hat. Es fehlt noch an der Abstimmung, darüber hinaus haben wir in der zweiten Halbzeit konditionell stark abgebaut. Hier rächt sich die geringe Trainingsbeteiligung der vergangenen Wochen. Dennoch erkenne ich eine deutliche Steigerung gegenüber der letzten Saison – und deshalb sehe ich den nächsten Begegnungen positiv entgegen.“

Ähnlich sieht es Hornets-Lautsprecher Achim Korn:
„In der ersten Halbzeit haben wir gezeigt, dass wir mit den Großen mithalten können. In der zweiten Halbzeit haben unsere Kräfte nachgelassen, dadurch haben sich Fehler eingeschlichen. In der Defense konnten nur einige wenige Spieler gute Tacklings setzen, daran gilt es zu arbeiten.
Wenn wir wie die Eintracht aus einem Pokal saufen wollen, liegt noch ein langer, harter und steiniger Weg vor uns.
Haken wir diese desolate zweite Halbzeit ab, jetzt heisst es, Selbstvertrauen für das nächste Spiel bei den Black Goats Mannebach zu tanken.
Wenn wir weiter an uns arbeiten, werden wir mit dem Abstieg nichts zu tun haben.“

Alle Fotos: BLURRED PICS
Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung