Spielabbruch in Hanau

hornwoelfe_4k

07.06.2015:
Landesliga Mitte 2015
Hanau Hornets vs. Wetzlar Wölfe

Die Weichen für einen tollen Footballnachmittag schienen im Hanauer Herbert-Dröse-Stadion gestellt.
Gerade hatte die Hornets – Jugend ihr Spiel gegen die Neuwied Raiders mit 36:00 für sich entschieden – nun sollte ein Sieg der Seniors gegen Wetzlar folgen.

Die denkwürdige Partie gegen die Wölfe beginnt aus Hanauer Sicht zunächst planmäßig.
Die Hornets setzen zunächst auf ihr bewährtes Laufspiel, eine gut aufgestellte Wetzlarer Defense verhindert jedoch zunächst entscheidende Raumgewinne.

Cliff Smith bedient Pascal Mahr mit einem 25yard Paß zum First down für die Hornets. Anschließend setzt Smith wieder auf seine Paßstärke. Ugur Mersinlioglu fängt den Paß in der Wetzlarer Endzone und markiert die Hanauer 6:0 Führung. Den anschließenden Extrakick versemmeln die Hornets.

Wetzlar kommt nun immer besser ins Spiel, zeigt sich variabel im Angriff und wechselt zwischen Lauf- und Paßspiel.
Der Defense der Gastgeber gelingt es nicht, die Angriffswellen der Wölfe in Schach zu halten. Wetzlar nutzt seine Chancen routiniert und geht bis zum Ende des ersten Quarters durch zwei Touchdowns und zwei erfolgreichen Extrakicks mit 14:6 in Führung.

Im zweiten Quarter entwickelt sich in einer hart umkämpften Partie mit Nicklichkeiten auf beiden Seiten ein offener Schlagabtausch. Smith bedient Mersinoglu wieder mit einem langen Paß – der Raumgewinn wird den Hornets jedoch prompt aberkannt, da die Schiedsrichter eine 15 yard Strafe gegen die Hornets verhängen.

Danach beginnt ein Turnoverfestival, das zunächst von Hornetsquarterback Cliff Smith mit einer Interception eröffnet wird. Fast im Gegenzug kann Eric Deffenbaugh einen Wetzlarer Paß aus der Luft pflücken und die Hornets wieder in Ballbesitz bringen. Die Hornets legen wieder den Vorwärtsgang ein. Plötzlich rutscht Smith weg und verliert das Ei. Die Chance lassen sich die Gäste nicht entgehen, nehmen den Ball auf und marschieren zum 6:20 Pausenstand in die Hanauer Endzone.

Selbst das Schiedsrichtergespann bleibt an diesem Nachmittag vom Verletzungspech nicht verschont. Eine Schiedsrichterin kann einem Spielzug nicht ausweichen und wird von den Spielern beider Teams über den Haufen gerannt – allerdings sollen sich die Auswirkungen dieses Unfalls erst später zeigen. Zunächst kann Wetzlar seine Führung per Touchdown und Conversion auf 6:28 ausbauen.

Im letzten Quarter zeigen sich die Hausherren mit den Mittelhessen wieder auf Augenhöhe. Die Defense steht, und die langen Päße von Cliff Smith finden ihre Receiver.

Ugur Mersinlioglu markiert nach einem Smith – Paß seinen zweiten Touchdown, Alexander Höhl verkürzt mit gelungener Conversion auf 14:28.
Beide Teams kämpfen nun mit offenem Visier. Wetzlar will den Sack endgültig zumachen – Hanau will unbedingt das Comeback schaffen.

Das Spiel kann jedoch nicht regulär zum Abschluß gebracht werden. Die zuvor umgerannte Schiedsrichterin klagt über Übelkeit und kann einfachste Fragen wie nach dem Datum oder wo sie sich gerade befindet nicht mehr beantworten. Der Verdacht einer schweren Gehirnerschütterung liegt nahe, und die Schiedsrichterin wird per Rettungswagen ins Krankenhaus gebracht.

Die Hanau Hornets wünschen ihr an dieser Stelle eine gute und schnelle Genesung.

Im Anschluß versuchen nunmehr nur noch drei Schiedsrichter, das Spiel über die Bühne zu bringen:
„Was am Ende nicht wirklich gelang. Drei Schiedsrichter können nur einen Teil des Geschehens auf dem Spielfeld erfassen“, erklärt Hanaus Pressesprecher Achim Korn. Nach einigen fragwürdigen Entscheidungen zieht Hornetsheadcoach Michael Myers die Notbremse und läßt nach langen Diskussionen mit dem verbliebenen Schiedsrichtertrio und dem Headcoach der Wetzlar Wölfe das Spiel abbrechen.

„Die Sicherheit der Spieler ist in einer solchen Situation einfach nicht mehr gewährleistet. Deswegen haben wir im Trainerstab diese Entscheidung getroffen“, erklärte Myers den denkwürdigen Hanauer Spielabbruch.

„Die Schiedsrichtercrew sollte ursprünglich aus fünf Mann bestehen. Einer der Schiedsrichter verletzte sich bei einem Spiel am gestrigen Samstag und liegt im Krankenhaus. Die Crew war also bereits zu Spielbeginn dezimiert.
Mit drei Schiedsrichtern ist es heutzutage unmöglich, ein Herrenspiel regelkonform und ordentlich über die Bühne zu bringen.
Michael hat in meinen Augen die einzig richtige Entscheidung getroffen und ein großes Verantwortungsbewusstsein für die Spieler an den Tag gelegt“, steht Hanaus Pressesprecher Korn voll hinter der Entscheidung des Hanauer Headcoaches.

„Wir haben heute weit unter unseren Möglichkeiten gespielt. Wir haben Wetzlar zu sehr ins Spiel kommen lassen, und die Wölfe haben routiniert ihre Chancen genutzt. Das Ergebnis zum Zeitpunkt des Spielabbruchs war für Wetzlar verdient“, resümierte Michael Myers den Spielverlauf.

Wie es nach dem Spielabbruch von Hanauer Seite nun weitergeht ist ungewiss.
„Ich denke, das Spiel wird nach dem tatsächlichem Spielstand gewertet, da es im vierten Quarter abgebrochen wurde. Wir müssen hier die Entscheidung des Verbandes abwarten“, so Achim Korn.

Am kommenden Samstag steht für die Hornets das erste Auswärtsspiel der Saison auf dem Programm – es geht zu den Rodgau Pioneers.

Text: Achim Korn
Fotos: BLURRED PICS

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